Entscheidung im Ausschuss Bauen, Klima und Umwelt
Gestern tagte der Ausschuss Bauen, Klima und Umwelt, und auf der Tagesordnung stand ein Thema, das für die Zukunft unseres Ortes entscheidend ist: die Wärmeversorgung im geplanten Neubaugebiet Herksiepe-Schillerstein. Sina Löschke und Maja Kock haben dort unsere Fraktion vertreten und unseren Antrag verteidigt, der weit über den Status quo hinausgedacht hat. Es ging um die Einführung eines dezentralen, kalten Nahwärmenetzes. Die Nachricht zum Ausgang der Sitzung ist ernüchternd: Der Antrag wurde abgewiesen. Lediglich die beiden Stimmen der Grünen sprachen sich dafür aus. Der Grund für das Scheitern war weniger die Technologie selbst, sondern die Konsequenz, die ihre Umsetzung mit sich bringt.
Unser Antrag: Mehr als nur Heizen
Was genau wollten wir erreichen? In unserem Antrag forderten wir, die Chance zu nutzen, die ein neues Quartier bietet. Statt wie üblich jedes Haus einzeln mit einer eigenen Heizungsanlage auszustatten, sollte ein gemeinsames Netz entstehen. Ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz verteilt Wärme und Kälte über kurze Wege und ermöglicht es, verschiedene Energiequellen effizient zu kombinieren. Für uns sind solche dezentralen, CO2-neutralen Wärmenetze eine Schlüsseltechnologie der Wärmewende.
Im Kern ging es darum, planungsrechtlich die Weichen zu stellen. Wir wollten prüfen lassen, wo im Plangebiet ausreichend dimensionierte Flächen für die Anlagentechnik ausgewiesen werden können. Zudem sollte untersucht werden, welche Betreibermodelle – etwa durch Stadtwerke oder Energiegenossenschaften – möglich sind und welche vertraglichen Bindungen in Kaufverträgen für die Grundstücke aufgenommen werden müssen. Das Ziel war ein Gesamtkonzept, das ökologische Vorteile gegenüber einer dezentralen Einzelversorgung klar herausarbeitet.
Der Knackpunkt: Der Anschlusszwang
Warum hat die Mehrheit im Ausschuss dann dagegen gestimmt? Der Widerstand entzündete sich an einem Begriff, der oft missverstanden wird: dem Anschlusszwang. Sina Löschke berichtete aus der Sitzung, dass die Einführung eines solchen Netzes vermutlich mit einer Verpflichtung für die Grundstückeigentümer verbunden wäre, sich an das Nahwärmenetz anzuschließen. anzuschließen. Ohne diese Beteiligung ist die Wirtschaftlichkeit eines solchen Unternehmens schlicht nicht gegeben. Wenn zu wenige mitmachen, rechnet sich das Netz nicht, und das Projekt scheitert.
Dieses Argument der Wirtschaftlichkeit konnte die anderen Parteien und die Stadtverwaltung jedoch nicht überzeugen. Sie lehnten den Antrag ab. Dabei zählte im Ausschuss auch nicht das gewichtige Gegenargument, dass solche Netze, die die Wärmeversorgung für mehrere Grundstücke übernehmen, viel effizienter sind, als wenn jeder seine eigene Lösung installiert. Die Angst vor der Verpflichtung wog schwerer als der Nutzen für die Gemeinschaft und den Geldbeutel.
Warum eine gemeinsame Lösung technisch notwendig ist
Hier müssen wir sachlich bleiben und die technischen Gegebenheiten betrachten. Es geht nicht darum, Menschen etwas vorzuschreiben, um sie zu bevormunden. Es geht um physikalische und wirtschaftliche Realitäten. Ein Wärmenetz funktioniert nur, wenn möglichst viele mitmachen. Das ist keine Ideologie, sondern Technik. Wenn das Netz nicht ausgelastet ist, werden die Kosten für die wenigen Teilnehmer unverhältnismäßig hoch.
Zudem gibt es ein weiteres Problem bei der Alternative, der reinen Einzelversorgung. Wenn in einem ganzen Neubaugebiet jedes Haus eine eigene Wärmepumpe installiert, führt das bei einem großflächigen Einsatz zu Spitzenbedarfen im Stromnetz. Diese können das lokale Netz überlasten. Ein gemeinsames Quartierskonzept kann diese Lasten besser steuern und ist insgesamt stabiler. Wer heute auf reine Einzellösungen setzt, riskiert also nicht nur höhere Kosten, sondern auch Probleme bei der Stromversorgung in Zeiten hoher Nachfrage.
Wenn nicht in einem Neubaugebiet, wann dann sollte Halver endlich anfangen, so innovative Technologien einzusetzen?
Zukunftsweisend, aber bitte nicht bei uns
Besonders enttäuschend an der gestrigen Entscheidung war die Haltung der Stadtverwaltung. Sina Löschke fasste die Begründung treffend zusammen: Die Verwaltung betonte in ihrer Stellungnahme, wie wichtig solche dezentralen Wärmenetze sind und wie zukunftsweisend diese Technologien für den Klimaschutz generell seien. Doch sobald es um die konkrete Umsetzung in Halver ging, wich die Stadtverwaltung aus.
Die Botschaft war im Kern: Ja, wir finden das gut und alles wichtig, aber bitte nur nicht bei uns. Man will sich nicht mit den damit zusammenhängenden Konsequenzen auseinandersetzen, auch wenn diese für ein lebenswertes Halver notwendig wären. Diese Widersprüchlichkeit ist schwer zu vermitteln. Wenn eine Technologie als Schlüssel für die Zukunft anerkannt wird, muss sie doch genau dort eingesetzt werden, wo die Bedingungen ideal sind – in einem neuen Baugebiet, wo man die Infrastruktur von Anfang an richtig planen kann.
Sina Löschke brachte es im Ausschuss auf den Punkt: „Wenn nicht in einem Neubaugebiet, wann dann sollte Halver endlich anfangen, so innovative Technologien einzusetzen?“ Diese Frage bleibt im Raum stehen. Es fehlt momentan der Mut, die notwendigen Schritte auch gegen Widerstände zu gehen, um langfristig günstige und ökologische Strukturen zu schaffen.
Gemeinsam für ein klimafreundliches Halver
Die Entscheidung von gestern ist ein Rückschlag, aber das Thema ist damit nicht vom Tisch. Die Notwendigkeit effizienter Wärmelösungen wird mit steigenden Energiepreisen und den Klimazielen nur noch dringlicher. Wir bleiben dran und werden weiter dafür werben, dass Halver seine Chancen nutzt. Ein lebenswertes Halver braucht Mut zu innovativen Lösungen, statt nur die Theorie zu loben.
Hast du Fragen zum Thema Nahwärme oder möchtest du wissen, wie du dich für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Halver einsetzen kannst? Wir laden dich ein, mit uns ins Gespräch zu kommen. Melde dich gerne bei uns, stell deine Fragen oder bringe dich in unserem Ortsverband ein. Gemeinsam können wir Druck machen für eine Politik, die nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.
Quelle: B90 / DIE GRÜNEN Halver
