Wie viel Platz braucht Halver wirklich für neues Wohnen? Seit über sieben Jahren wird in der Stadt über das Baugebiet Herksiepe/Schillerstein diskutiert – und die Pläne haben sich immer wieder verändert. Was genau geplant ist, warum die Diskussion so wichtig ist und was unser Standpunkt ist, erklären wir dir hier.
Ein langer Weg der Planung
Die Gespräche und Verhandlungen zum geplanten Baugebiet Herksiepe/Schillerstein ziehen sich mittlerweile über mehr als sieben Jahre. Ursprünglich waren die Pläne für das Gebiet deutlich umfangreicher. In den Anfängen der Verhandlungen hatten unsere damaligen Ratsmitglieder Karl-Friedrich Osenberg und Matthias Clever sich mit Nachdruck für deutliche Verkleinerungen ausgesprochen und im Jahr 2019 erreicht, dass das Gebiet auf einer für damalige Verhältnisse maximal kleinen Fläche entwickelt werden sollte. Für dieses Gebiet mit langem Schillerstein begann dann die Planung.
Politik muss verlässlich sein
Warum lehnen wir den aktuellen Bauplan ab? Das erste und wichtigste Argument betrifft die Verlässlichkeit. Wir hatten mit dem vorherigen Beschluss für das kleinere Gebiet sowohl den Anwohnern als auch der Gesamtstadt versprochen, auf einer kleineren Fläche zu planen. Mit der Rückkehr zu der größeren Variante brechen wir quasi dieses vorher gegebene Versprechen. Das ist für uns ein zentraler Punkt. Wie Sina Löschke von unserer Ratsfraktion sagt: „Politik muss verlässlich sein und muss zu ihrem Wort stehen.“

Braucht Halver dieses Baugebiet wirklich?
Das zweite Argument betrifft den tatsächlichen Bedarf. Halver hat sinkende Einwohnerzahlen und auch für die Zukunft werden weiter sinkende Einwohnerzahlen vorausgesagt. Laut aktueller Prognose von it.nrw für den Zeitraum 2024 bis 2050 soll die Bevölkerungszahl in der Stadt Halver um gut 9 Prozent abnehmen. Bis zum Jahr 2050 wird eine Einwohnerzahl von etwa 14.880 erwartet. Aktuell hat die Stadt etwa 16.322 Einwohner.
Wenn man in die Begründung der Planer:innen schaut, warum Halver dieses Baugebiet braucht, können die Argumente nicht überzeugen. Halver bekommt voraussichtlich in den nächsten Jahren gleich mehrere Mehrfamilienhäuser im Innenstadtbereich. Es soll sowohl am alten Lidl als auch bei Kostal gebaut werden. Dort entstehen zentrumsnahe Wohnungen. Somit ist das Argument, dass wir dringend neuen Wohnraum im Außenbereich brauchen, eigentlich nicht mehr gegeben.
Zudem wird dieser neue Wohnraum zentrumsnah dafür sorgen, dass gerade ältere Bürger:innen die Chance bekommen, aus ihren vielleicht zu großen Eigenheimen auszuziehen. Das würde wiederum bedeuten, dass Eigenheime auf den Markt kommen sollten. So hätten junge Familien die Chance, bereits bestehende Häuser zu kaufen und zu ihrem Zuhause zu machen. Wir zweifeln daher an, ob ein Neubaugebiet in dieser Größe wirklich notwendig ist.

Zukunft des Wohnens
Das dritte Argument betrifft die Art des Bauens. In Zeiten globaler Umweltkrisen ist es nicht mehr die Lösung, viel Fläche für wenig Wohnraum zu versiegeln. Wir müssen unsere natürlichen Lebensräume erhalten. Wenn wir bauen, dann möglichst in die Höhe als Mehrfamilienhausvariante. So können mehr Menschen auf kleiner Grundfläche wohnen. Das schafft mehr Wohnraum für mehr Menschen, ohne zusätzliche Naturflächen zu verbrauchen. Das Konzept des klassischen Eigenheims auf großer Fläche passt nicht mehr uneingeschränkt zu den Anforderungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung.
Gemeinsam für eine klare Position
Unsere Ablehnung des aktuellen Plans ist keine Blockadehaltung. Sie ist das Ergebnis einer sorgfältigen Prüfung der Fakten. Wir wollen, dass Entscheidungen auf einer soliden Basis stehen. Dazu gehören verlässliche Zusagen, eine realistische Bedarfsanalyse und zukunftsfähige Baukonzepte. Der aktuelle Plan erfüllt diese Kriterien aus unserer Sicht nicht.
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Quelle: B90 / DIE GRÜNEN Halver
