Stell dir vor, du gehst an einem heißen Sommertag durch die Halveraner Innenstadt. Die Sonne brennt auf den Asphalt, und du suchst vergeblich nach einem schattigen Platz zum Ausruhen. Genau dieses Gefühl wird für viele von uns in Halver zunehmend zur Realität. In den vergangenen sechs Jahren sind im innenstadtnahen Bereich von Halver mindestens 76 große Park- und Straßenbäume verschwunden. Diese Lücken sind nicht nur optisch schmerzhaft, sie fehlen uns als natürlicher Schutz vor Hitze und als Lebensraum für Tiere.
Doch es gibt einen Plan, das zu ändern. Ein neues Baumkonzept liegt vor, das konkret aufzeigt, wie Halver wieder baumstark werden kann. Es geht dabei nicht nur um das Pflanzen neuer Bäume, sondern um einen klugen Mix aus Neupflanzung und dem Schutz dessen, was wir noch haben.
Ein Plan für ein baumstarkes Halver
Das Konzept heißt „Unser Weg zu einem baumstarken Halver“. Federführend waren Jan und Nikole Kirk vom Baumverein Halver sowie Sina Löschke und Lenard Straube von Bündnis 90/Die Grünen. Erarbeitet wurde es im Auftrag des Arbeitskreises Energie und Umwelt des Rates der Stadt Halver. Die Macherinnen und Macher haben nicht nur theoretisch überlegt, sondern konkrete Flächen analysiert.

Das Ziel ist klar definiert: Bis Ende 2028 sollen 146 neue Park- und Straßenbäume fachgerecht gepflanzt werden. Dabei liegt der Fokus auf zukunftsfähigen Standorten. Es reicht nicht, einfach irgendwo ein Loch zu graben. Die Auswahl von Baumarten und Pflanzgruben-Typen muss durch Fachleute erfolgen, damit die Bäume auch wirklich anwachsen und alt werden können. Besonders im Blick sind dabei Bereiche wie die Hagedornstraße, der Tannenweg und die Schützenstraße, in denen sich auf Grün- oder Freiflächen leicht Bäume pflanzen ließen.
Wichtig ist den Autoren auch die Zusammenarbeit. Damit Gefahren für Bäume verringert werden, müssen das Ordnungsamt, der Bauhof und das Bauamt der Stadt Halver eng kooperieren. Darüber hinaus können die vorgeschlagenen Baumpflanzungen auch nur dann gelingen, wenn die Eigentümer:innen der bestens geeigneten Flächen die Pflanzidee unterstützen. Denn nicht alle bestens geeigneten Flächen gehören der Stadt. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können wir die geplanten Ziele erreichen.
Mehr als nur Stadtgrün: Überlebenswichtiger Schutz
Warum ist das eigentlich so wichtig? Bäume sind für uns Menschen weit mehr als nur Dekoration. Sie sind unsere Klimaanlage im Freien. Die Autoren des Konzepts bringen es auf den Punkt: „Gesunde Park- und Straßenbäume sind in Zeiten des akuten Klimawandels für Stadtbewohner überlebenswichtig und das wirksamste Werkzeug zum Hitze- und Gesundheitsschutz.“

Viele unterschätzen, wie lange es dauert, bis ein Baum diese Leistung voll erbringt. Ein neu gepflanzter Baum benötigt 50 bis 80 Jahre, um die Leistungen eines Altbaumes zu erreichen. Das bedeutet: Jeder Baum, den wir heute fällen, hinterlässt eine Lücke, die wir in unserem Leben nicht mehr schließen können. Deshalb hat der Erhalt alter und großer Bäume im Konzept höchste Priorität. Es geht darum, das bestehende Grün zu bewahren, solange es geht, denn die Zeit arbeitet gegen uns, wenn wir auf Ersatz warten müssen.
Zusätzlich soll das bestehende Baumkataster der Stadt digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Bisher ist es weder für alle Mitarbeitenden der Stadtverwaltung zugänglich noch kann es von der Öffentlichkeit einfach eingesehen werden. Transparenz ist hier ein Schlüssel, damit du als Bürgerin oder Bürger nachvollziehen kannst, was mit dem Baumbestand passiert.
Erhalt ist günstiger als Ersatz
Oft wird in der Politik über Kosten gestritten, wenn es um Umweltschutz geht. Beim Thema Bäume lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Das Nichtstun oder die falsche Entscheidung am Ende eines Baumlebens kann teuer werden. Die Kosten für Fällarbeiten und die Entsorgung des Altholzes werden auf 5.000 bis 15.000 Euro pro Baum geschätzt. Das ist Geld, das einmalig ausgegeben wird und keinen neuen Baum zaubert.
Viel sinnvoller ist es, in den Erhalt zu investieren. Die Autoren des Konzepts betonen: „Altbäume fachgerecht zu pflegen und ihre möglicherweise ungeeigneten Baumstandorte aufzuwerten, ist in jeglicher Hinsicht besser, günstiger und zielführender, als den Baum sterben zu lassen und anschließend einen kleinen neuen zu pflanzen.“
Pflege und Aufwertung von Standorten sind also zielführender als Neupflanzung nach dem Sterben. Ein Beispiel für gefährdete Bestände ist die Allee in der Frankfurter Straße. Sie weist schon deutliche Lücken auf, und drei Bäume wurden wahrscheinlich durch den WHS-Neubau unwiederbringlich geschädigt. Hier zeigt sich, wie wichtig frühzeitiger Schutz ist. Eine Prognose im Konzept warnt sogar davor, dass sich die Baumabgänge in den nächsten 3 bis 5 Jahren verdoppeln könnten, wenn wir nicht gegensteuern. Junge Bäume brauchen zudem eine sichere Bewässerung über die ersten 12 bis 15 Lebensjahre, was ebenfalls eingeplant werden muss.
Wie die Finanzierung funktioniert
Eine der größten Hürden für Kommunen ist oft das Geld. Doch für dieses Konzept gibt es eine gute Nachricht: Es existieren Fördermöglichkeiten, die die Stadt Halver entlasten. Das Konzept verweist insbesondere auf das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“, über welches ein erheblicher Teil der Kosten gefördert werden kann. Dieses Programm übernimmt 80 Prozent der Projekt- und Planungskosten und läuft bis zum Jahr 2028.
Das bedeutet aber nicht, dass die Stadt nichts tun muss. Die Stadt Halver muss dennoch investive Eigenmittel bereitstellen. Im Konzept wird empfohlen, investive Mittel in den Haushalt 2027 und 2028 einzuplanen, und zwar mindestens 160.000 Euro pro Jahr. Diese Summe sei notwendig, um den Eigenanteil der Stadt zu decken und die Maßnahmen umzusetzen.
Es gibt noch weitere Ideen zur Finanzierung und Umsetzung. Für Pflanzungen am Fachmarktzentrum wäre beispielsweise eine Allianz zwischen der Stadtverwaltung Halver und dem Betreiber des Fachmarktzentrums erforderlich. Auch die Wohnungsgesellschaft Halver-Schalksmühle (WHS) wird als Partner für eine Allianz im großen Stil empfohlen. Solche Baum-Allianzen sind privatrechtliche Vereinbarungen zwischen den Grundstückseignerinnen und der Stadtverwaltung, infolge derer neue Bäume auf Privatgrundstücken gepflanzt werden und eine Bestandsgarantie für mindestens 50 Jahre erhalten.
Sogar du kannst Teil der Lösung werden. So lautet ein Vorschlag des Konzepts, dass die Stadt Bürgerinnen und Bürger für die Entsiegelung von mindestens 16 Quadratmetern Fläche auf ihrem Grundstück mit einem jungen Baum belohnen könnte. So würde privates Engagement direkt mit öffentlichem Grün verknüpft.
Gemeinsam für ein kühleres Halver
Das vorliegende Konzept ist mehr als nur eine Liste von Bäumen. Es ist ein Angebot an die Politik und die Verwaltung, die Weichen für ein lebenswertes Halver zu stellen. Es zeigt, dass Klimaschutz vor Ort konkret aussehen kann: durch Schatten spendende Alleen, durch kluge Planung von Pflanzgruben und durch den mutigen Erhalt alter Bestände.
Die Umsetzung liegt nun in den Händen des Rates und der Verwaltung. Der Arbeitskreis Energie und Umwelt wird das Konzept diskutieren. Es braucht politische Entschlossenheit, um die geplanten 146 Bäume bis 2028 Realität werden zu lassen. Wenn wir jetzt handeln, können wir verhindern, dass unsere Stadt weiter austrocknet und aufheizt.
Wir als Bündnis 90/Die Grünen in Halver werden das Thema weiter im Blick behalten. Denn ein grünes Halver ist ein gesünderes Halver für uns alle. Wenn du mehr über das Konzept erfahren möchtest, Fragen hast oder dich selbst für mehr Grün in deiner Nachbarschaft einsetzen willst, komm gerne auf uns zu. Wir freuen uns über deine Nachricht oder deinen Besuch bei einer unserer Veranstaltungen. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass Halver auch in Zukunft ein Ort ist, an dem es sich gut leben lässt – im Schatten gesunder Bäume.
Das Baumkonzept zum Runterladen
Quelle: B90 / DIE GRÜNEN Halver
